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Facebook hat letzten Donnerstag, wie schon berichtet wurde, bekannt gegeben, dass das soziale Netzwerk weltweit eine Milliarde aktive Nutzer hat. Damit stellt Facebook einen Rekord auf als erstes Social Network, das die Milliarden-Marke überschreitet. Wenn man bedenkt, dass Facebook dafür nur acht Jahre brauchte (McDonalds hat im Vergleich dazu 40 Jahre gebraucht um eine Milliarde Kunden zu erreichen), scheinen die Businesspläne (zumindest für Zuckerberg und Co) Früchte zu tragen.

Doch ein Blick hinter die Kulissen der Rekordversuche zeigt, dass der Erfolg auch Schattenseiten wirft. Kritik kommt von vielen Seiten, denn Facebook hat seit dem Börsengang im Mai stark an Wert verloren. Während die ersten Aktien noch zu $38 pro Stück ausgegeben wurden, kann man einen Anteil an Facebook heute schon für $21.49. Außerdem zahlen Facebook Nutzer im Gegensatz zu Kunden anderer Unternehmen nicht bei jeder Nutzung des Produkts. Während McDonalds jedes Mal Geld verdient, wenn ein Kunde sich einen Burger kauft, verdient Facebook nichts wenn ein User sich einloggt. Der größte Attraktivitätswert des Unternehmens für die Werbebranche liegt an der großen Datenmasse.

Das soziale Netzwerk muss, wie wir fast jede Woche sehen können, mit allen technischen Neuerungen mithalten um für die Werbeindustrie ein interessanter Partner zu bleiben. Dabei steht Facebook vor zwei Schwierigkeiten. Erstens hat sich herausgestellt, dass rund 8.7 Prozent der Facebook-Nutzer (das entspricht 83 Millionen Kunden) falsche Angaben in ihrem Profil machen, sich zum Beispiel mit falschem Namen anmelden oder ein Profil für ein Haustier erstellen. Facebook ist massiv gegen diese Nutzer vorgegangen und hat (vor allem in Deutschland) Kritik von Nutzern sowie Datenschützern einstecken müssen. Zweitens wird Facebook schon lange nicht mehr nur auf dem Computer genutzt. 60 Prozent der User loggen sich über ihr Smartphone oder ein Tablet ein und mit dem steigenden Absatz von iPhones, iPads und Android-Geräten ist es nur eine Frage der Zeit, bis diese Prozentzahl noch weiter ansteigt. Zwar gibt es eine offizielle Facebook-App für Smartphones und Tablets, doch die Möglichkeiten der Werbung wurden noch nicht voll entwickelt. So hat das Unternehmen erst vor Kurzem begonnen, Werbung auch auf Smartphones und Tablets anzuzeigen und bemüht sich diesen Bereich weiter auszubauen.

Neben der Werbung sind Spieleanbieter eine wichtige Einnahmequelle für das Unternehmen und auch hier gibt es Warnsignale. Zynga, welches die meisten sicherlich durch Facebook-Spiele wie FarmVille und Mafia Wars kennen, könnte laut Medienberichten dieses Quartal mit roten Zahlen abschließen. Als Grund wurden mangelndes Interesse an einigen der Produkte und geringe Profite aus einer neuen Investition angegeben. Zynga geht davon aus, für das dritte Quartal 2012 mit einem Einkommen zwischen $300 Millionen und $305 Millionen mit plus/minus Null abzuschließen oder einen Verlust von maximal $0.01 pro Aktie einzustecken.

Die Gesamtsituation bessert sich für Facebook sicherlich auch nicht durch die Nachricht, dass der Kommunikationsexperte Joe Lockhart sich vom Unternehmen trennen wird. Lockhart, der insbesondere durch seine Zeit als Pressesprecher von Bill Clinton bekannt ist, war seit 15 Monaten bei Facebook tätig. Er hat seinen baldigen Rücktritt mit dem Wunsch begründet, nicht permanent in Kalifornien leben zu wollen. Mark Zuckerberg selbst hat die Schwierigkeiten des Unternehmens in einem Interview mit dem Magazin Businessweek zwar eingeräumt, kündigte zugleich aber auch an, keine raschen Änderungen vornehmen zu wollen. Statt sich in kurzfristige Problembewältigung zu stürzen, möchte Zuckerberg sich auf die langfristige Strategie des Unternehmens konzentrieren und Facebook somit auf Erfolgskurs halten. Es bleibt abzuwarten, ob er auf den mobilen Markt, oder weiterhin auf Business-Tools wie Sponsored Pages/Posts setzen wird.

Über den Autor:

Ich wohne seit einigen Jahren in London bin momentan hier freie Journalistin. An der City University schrieb ich meine Master-Arbeit zum Thema "Soziale Medien und Unternehmen". Auch generell schreibe ich gerne ueber aktuelle Entwicklungen in der IT-Branche, Cloud Computing und den Sozialen Medien.

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